Vom Chaos in der Wetterküche und Staubsauger-Wolken

Passauer Neue Presse,  9. Februar 2013

7. Überregionales Segelflug-Symposium beim Luftsportclub Pfarrkirchen - Wetterspezialist Philipp Keller und Weltmeister Wolfgang Janowitsch referierten

Freuten sich über den erneuten Erfolg des Segelflug-Symposiums beim Luftsportclub Pfarrkirchen (v. links): Organisationsleiter Erwin Lorenz, der frühere Weltmeister und Referent Wolfgang Janowitsch, Wetter-Experte Philipp Keller, Götz Koch (1. Vorsitzender des LSC Pfarrkirchen) und Hans Etzelsbeck (2. Vorsitzender.

Postmünster. Auch in diesem Jahr trafen sich wieder Segelflieger und Luftsportinteressierte in Postmünster zum mittlerweile 7. Segelflugsymposium, ausgerichtet vom Luftsportclub Pfarrkirchen. Zu Beginn jedes neuen Jahres gibt diese Veranstaltung den Piloten und Flugschülern die Gelegenheit, sich über Neuigkeiten im Segelflugsport zu informieren und Erlebnisse mit Wettkampf- und Leistungspiloten zu teilen. Rund 80 Segelflugbegeisterte fanden sich aus diesem Grund heuer im Pfarrheim Postmünster ein. Neben den Nachbarvereinen aus Kirchdorf und Burghausen wollten sich u.a. auch Fliegerkameraden aus dem benachbarten Oberösterreich und von weiteren Vereinen aus Nieder- und Oberbayern die diesjährigen Vorträge nicht entgehen lassen. Eine Ausstellung von Fallschirmen und Flugzubehör einer Fachfirma ergänzte das Informationsangebot.

Als Referenten hatten der 1. Vorsitzende des LSC, Götz Koch, und sein Segelflug-Spartenspezialist und Leistungsflieger Erwin Lorenz unter anderem den Meteorologie-Experten Philipp Keller vom Luftsportverein Straubing und den früheren Weltmeister und Doppel-Europameister Wolfgang Janowitsch gewinnen können.

Nach der Begrüßung durch Götz Koch erläuterte der Segelflug-Fachmann Philipp Keller die bei uns herrschenden Wetterbedingungen und zeigte, wie man die im Internet verfügbaren Wetterkarten liest. „Bei uns im Dreieck zwischen Bayerischem Wald und den Alpen ist meist der „Friedhof der Wetterfronten“, die sich von Nordwesten her stauen und oft während ihrer Auflösung schlechtes Wetter verursachen", so Philipp Keller. "Man muss deshalb die guten Wetterlagen überlegt ausnutzen und auch die Gebiete entsprechend den Vorhersagen wählen. Die besten Gebiete sind genau die Höhenzüge des bayerischen Waldes und der Alpen. Und wenn man es richtig macht, sind 800- oder 1000-Kilometer-Flüge mit guten Segelflugzeugen durchaus möglich. Die Wolken wirken dann wie Staubsauger und ziehen uns hervorragend in der Thermik nach oben." Er zeigte schließlich anhand von Kartenmaterial, welches die Kriterien für gute Thermik-Flüge mit optimalen Aufwindzonen seien.


Beeindruckende Bilder von nicht alltäglichen Thermik-Segelflügen brachte Philipp Keller zum Segelflug-Symposium des Luftsportclub Pfarrkirchen mit: Hier ein Blick aus dem Cockpit von einem Flug am Matterhorn.

Sehr viele Wetter-Aspekte hatte auch der Weltmeister und Doppel-Europameister Wolfgang Janowitsch mitgebracht. In äußerst unterhaltsamer und anschaulicher Art berichtete er über die Weltmeisterschaft im Segelfliegen im vergangenen August im texanischen Uvalde. Dort herrsche nach seinen Worten im Sommer ein Sahara-Klima. Janowitsch: „Doch nachmittags geht es dort in den Wolken der unteren Atmosphärenschicht richtig zur Sache. Trotz der dann herrschenden guten Aufwinde ist die Fliegerei dort eine große Herausforderung. Es waren täglich Strecken zwischen 500 und 700 km zurückzulegen. Und oft entscheiden", so Janowitsch, "unter diesen Bedingungen ein paar Meter, die man entweder optimal oder zu weit weg von der Ideallinie unter den Wolken geflogen ist, über Sieg oder Niederlage." Zwar konnte der frühere Weltmeister letztes Jahr nicht den Gesamtsieg erringen, dennoch hatte er am ersten Wettbewerbstag bei den Weltmeisterschaften das beste Ergebnis erzielen können.

Viele Fragen von den Segelfliegern gingen auch an die Referenten, die natürlich aus ihrem vielschichtigen Erfahrungsschatz den aufmerksamen Zuhörern eine Menge an Tipps geben konnten.

Am Ende der Veranstaltung verloste Organisator Erwin Lorenz unter allen Teilnehmern mehrere Abonnements eines Segelflug-Magazins und dankte den Vortragenden für ihr Kommen. Sein Dank galt auch den Mitgliedern und Damen des Luftsportclub Pfarrkirchen für ihr bewährtes Engagement bei der Bewirtung der Gäste mit Kaffee, Kuchen und Brotzeit. Da sich die traditionelle Veranstaltung inzwischen als interessante und lehrreiche Zusammenkunft der Segelflugszene Bayerns etabliert hat, dürfte wohl auch das nächste Symposium im Jahre 2014 schon „beschlossene Sache“ sein, so Lorenz. Für die Flugsaison 2013 wünschte er allen Piloten weite und vor allem unfallfreie Flüge. Er erinnerte auch daran, dass es zum Segelflug auch sehr interessante Informationen auf der Webseite des LSC unter www.lsc-pfarrkirchen.de oder auch unter facebook.com/lscpfarrkirchen gebe.

  • symposium_2013_artikel